Pferd & Jagd – Hannover, 8. - 11. Dezember 2022 – Messe Hannover

Pferd & Jagd EquiVITAL (Halle 19/20 )

Gesundheitskompetenz für Pferd und Reiter

Der Expertenbereich der Pferd & Jagd vermittelt Fachwissen und wertvolle Tipps für alle Reiter und Pferdebesitzer, denen die Gesunderhaltung ihres Pferdes am Herzen liegt. Aber auch die körperliche reiterliche Fitness steht im Fokus. Experten aus den verschiedensten Bereichen stehen Rede und Antwort und beraten in persönlichen Einzelgesprächen kostenlos die Messebesucher zu ihren Fragen.

Experten u.a. aus folgenden Bereichen mit dabei:

  • Reiterfitness und Physiotherapie
  • Medical Training
  • Gesunde Atemwege
  • Neue Therapieformen
  • Tierärzte
  • Physiotherapeuten
  • Sattelergonomie
  • Verhaltensforscher
  • Pferdehaltungsexperten
  • Osteopathen
  • u.v.m.

Dr. Helmut Ende auf der Pferd & Jagd

Tierarzt Dr. Helmut Ende (Foto 2. v.l.) ist seit drei Jahrzehnten damit beschäftigt, mit Hilfe des Gefriertrocknungs-Verfahrens Pferdekörperteile ansehnlich und haltbar zu machen, die dem interessierten Publikum Fehler in der Haltung, der Fütterung und im Umgang mit Pferden verdeutlichen.

Auf der Pferd & Jagd zeigt er Originalpferdeorgane wie Beine, Köpfe, Därme, Lungen, Herzen, die aufbereitet wurden, dass sie dazu einladen, von den Messebesuchern angefasst und gedreht zu werden.

 

Herr Dr. Ende, wie sind Sie dazu gekommen, den Pferdehaltern dabei zu helfen, Fehler im Umgang mit den Tieren zu vermeiden?

Ende: Als nebenberuflicher Lehrer in einer Berufsschule für Pferdewirte war ich bestrebt, den Unterricht für die Lehrlinge besonders interessant zu gestalten. So hat es sich ergeben, dass ich die Dinge am häufigsten angeschnitten habe, die sich in meinem Berufsalltag beim Behandeln von Pferdekrankheiten ergeben haben. Ich habe also möglichst oft Teile aus der Praxis mit in die Schule genommen, zum Beispiel ein Bein eines verstorbenen Pferdes oder den abortierten Fetus einer tragenden Stute.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Fehler, die gemacht werden?

Ende: Der Pferdehalter geht von seinen eigenen Empfindungen aus und empfindet es oft als bequem, ruhig zu sitzen und nicht ständig herumzulaufen. Wenn Pferde wenig Bewegung haben, gibt es sehr leicht Beinschäden, denn alle Entwicklungen am Bein sind abhängig vom Bewegungsreiz. Wenn ein Pferdehalter sich im Wohnzimmer gemütlich niedersetzt, empfindet er dies als angenehm und ist auch der Meinung, dass auch Pferd sich in einem ruhigen, warmen Stall wohlfühlt. Die häufigsten Fehler, deren Folgen der Tierarzt dann behandeln muss, liegen in Problemen der Atemwege und Schäden am Pferdebein verursacht durch fehlenden Bewegungsreiz.

Das Pferd in der freien Natur ist auf frische Luft ohne Schwebstoffe ohne Allergene angewiesen; daher gibt es ganz häufig Probleme mit den Atemwegen, wie zum Beispiel dem chronischen Husten, was immer wieder dazu führt, dass der wenig wissende Pferdehalter dem Pferd besondere Ruhe verordnet. Richtig jedoch ist, auch bei einem leicht hustenden Pferd, die tägliche mehrstündige Bewegung in „sauberer Luft“ draußen und am Besten in einer Pferdeherde auf einer großen Weide, wo irgendjemand die Tiere in häufige Bewegung versetzt.

Wie reagieren denn die Pferdehalter, wenn sie gesagt bekommen, dass sie etwas falsch gemacht haben.? Sind sie einsichtig?

Ende: Meine mehr als 50-jährige Erfahrung mit Pferdemessen zeigt, dass die Pferdehalter geradezu süchtig danach sind, Neuigkeiten zu erfahren und über ihre Fehler aufgeklärt zu werden. Sie zeigen große Dankbarkeit, was sich im Gespräch mit dem Tierarzt auf dem Messegelände ergibt. Ganz häufig wird auch darauf hingewiesen, dass auf früheren Messen angesprochene Fehler, die zu Hause zu Verbesserungen geführt haben, die den Pferden nun ganz große Vorteile in Gesundheitsfragen erbracht haben. Ganz häufig sind Ställe umgebaut und Weiden vergrößert worden bzw. auf den Weiden Maßnahmen getroffen worden, um den Pferden zu mehr Bewegung zu verhelfen.

Sie arbeiten mit dem Gefriertrocknungsverfahren? Was kann man sich darunter vorstellen?

Ende: Es hat sich beim Berufsschulunterricht ergeben, dass die Schüler/innen am meisten Interesse an den Pferdeorganen haben, wenn sie diese in die Hand nehmen können und von allen Seiten betrachten und auch mit ihrem Handy fotografieren dürfen. Das ist nur möglich, wenn die ursprünglich feuchten Präparate eines verstorbenen oder eingeschläferten Pferdes in ihrer Oberfläche angenehm zu berühren sind und nicht riechen und sich nicht verformen. Beim Gefriertrocknungsverfahren wird das Pferdebein/der Pferdekopf/das Herz oder die Lunge in der Kühltruhe eingefroren und dann im gefrorenen Zustand in eine Maschine verbracht, die im Vakuum die Feuchtigkeit aus dem Objekt herauszieht, so dass nach einer Woche der Pferdekörperteil ganz leicht geworden ist (ohne Wasser also) und in seiner Oberfläche empfänglich für Farbe und Lackschutzmaßnahmen geworden ist. Es ist durchaus erlaubt und auch sogar erwünscht, wenn Schüler sich gegenseitig ein Pferdebein zuwerfen oder ein Pferdeherz direkt an ihrem Schreibpult abzeichnen und mit dem Handy fotografieren.

Das heißt die Körperteile der Pferde sind also alle echt? Kein Plastik?

Ende: Es gibt in der Lehrschau keine „künstlichen Präparate“. Immer sind alle Pferdeteile auch im Inneren des Organes leicht erkennbar. Außerdem wird im kurzen Text bei jedem Pferdeorgan erklärt, um was es sich handelt (der medizinische Ausdruck wird genannt), es wird erklärt, wie der Schaden entstanden ist und was man als erste Hilfemaßnahmen tun sollte und wie man verhindert, dass ein solcher Schaden beim eigenen Pferd passiert. Ein gewisser Nachteil des Verfahrens ist, dass es sich hier um echte Pferdeteile handelt, die also auch für Hunde hoch interessant sind als Futter und die aber auch empfindlich sind gegen Feuchtigkeit und deswegen in einem trockenem Raum aufbewahrt werden müssen. Sie sind auch gefährdet durch Insekten, die ihre Eier hineinlegen können und Schäden im Inneren des Organes führen können.

Im Dezember kommen Sie zur „Pferd und Jagd“. Was genau werden Sie den Besuchern zeigen, auf welche Themen können sich die Besucher freuen?

Ende: Es wird ein Querschnitt durch alles das gezeigt, was einem Pferdetierarzt in der täglichen Arbeit geboten wird. Die häufigsten Krankheiten, wie Beinschäden, werden direkt gezeigt. Aber es wird auch darauf hingewiesen, wie man Husten vermeiden kann und warum ein Pferd durch viel Bewegung ein stabileres Herz und stabilere Gliedmaßen bekommt. Auf der Messe werden auch frische Präparate gezeigt (also Teile von Pferden, die erst vor wenigen Stunden verstorben oder eingeschläfert worden sind). So wird eine echte frische Lunge mit einer Beatmungsmaschine den ganzen Tag über die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen und auf einem Tonträger wird erklärt, in 10-minütigen Abständen jeweils neu, um was es sich im Einzelnen handelt und wie man vorgehen muss, damit keine Gesundheitsschäden entstehen. Diese Frischpräparate müssen immer nach einem 12-stündigen Messetag entsorgt werden. Sie werden deswegen auch im gefrorenen Zustand in einer Kühltruhe zum Messegelände mitgebracht. Als eine besondere Attraktion ist das sich bewegende Pferdebein anzusehen, dass von Haut und Haaren entfernt, mit einem Elektromotor zum ständigen Beugen und Strecken der Sehnen gebracht wird. Dem Pferdehalter wird dabei in Bild und Ton erklärt, wie man zeitig einen beginnenden Schaden erkennen kann und was als erste Maßnahme zu tun ist und vor allem, wie man vorbeugend mit seinem Pferd umgehen muss, damit gar nicht erst Schäden zu Stande kommen.